Lindsay-Shapley-Ringgalaxie (Ringgalaxie), aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop für den Januar 16
Januar 16RinggalaxieGalaxien

Lindsay-Shapley-Ringgalaxie

Beobachtet im Jahr 2004

Über dieses Bild

Der auffällige blaue Ring der Lindsay-Shapley-Ringgalaxie (AM 0644-741) besteht aus leuchtenden Ansammlungen junger, heißer Sterne, die bei einer kosmischen Kollision entstanden sind. Mit einem Durchmesser von etwa 150.000 Lichtjahren ist die Ringstruktur größer als unsere gesamte Milchstraße und damit eine wirklich massive kosmische Struktur. Diese seltene Ringgalaxie entstand, als eine kleinere Galaxie durch das Zentrum einer größeren Spiralgalaxie stürzte und dabei Wellen aus komprimiertem Gas erzeugte, die sich wie Wellen auf einem Teich nach außen ausbreiteten. Als diese expandierenden Gaswellen kollidierten und komprimierten, lösten sie intensive Ausbrüche der Sternentstehung aus und erzeugten den leuchtend blauen Ring aus Sternentstehungsgebieten, die wir heute sehen. Die Kollision ereignete sich vor Hunderten von Millionen Jahren, aber der Ring dehnt sich weiter nach außen aus, markiert die gespenstischen Umrisse dieser uralten kosmischen Begegnung und liefert Astronomen wertvolle Einblicke in galaktische Kollisionen und ihre Rolle bei der Auslösung der Sternentstehung.

Wissenschaftliche Bedeutung

Die Lindsay-Shapley-Ringgalaxie (AM 0644-741) ist eines der schönsten Beispiele einer Kollisionsringgalaxie und bietet wichtige Einblicke in die Physik der Galaxienwechselwirkungen. Wenn eine kompakte Eindringlingsgalaxie die Scheibe einer größeren Spiralgalaxie in der Nähe ihres Zentrums durchbricht, erzeugt sie eine sich ausdehnende Dichtewelle – ähnlich wie das Fallenlassen eines Steins in einen Teich. Diese Welle komprimiert interstellares Gas, während sie sich nach außen ausbreitet, und löst so einen sich radial ausdehnenden Sternentstehungsring aus. Der bemerkenswert symmetrische Ring und die wohldefinierte Struktur von AM 0644-741 machen ihn zu einem idealen Testfall für Computersimulationen von Galaxienkollisionen. Durch den Vergleich der beobachteten Eigenschaften des Rings – seines Durchmessers, seiner Expansionsgeschwindigkeit und Sternentstehungsrate – mit theoretischen Modellen können Astronomen die Masse der Eindringlingsgalaxie, den Einschlagwinkel und die seit der Kollision verstrichene Zeit eingrenzen. Diese Beobachtungen zeigen auch, wie großräumige Gravitationsstörungen die Sternentstehungsaktivität einer Galaxie in kurzer Zeit verändern und eine ruhende Spirale in ein Starburst-System verwandeln können.

Beobachtungsdetails

Hubble beobachtete AM 0644-741 mit der Advanced Camera for Surveys (ACS) in breitbandigen optischen Filtern, die blaue, grüne und nahinfrarote Wellenlängen abdecken. Der Multifilter-Ansatz ermöglichte es Astronomen, die Verteilung junger blauer Sternhaufen im Ring und älterer rötlicher Sterne im erschöpften Inneren zu verfolgen. Hubbles Auflösung war entscheidend für die Trennung einzelner Sternentstehungskomplexe innerhalb des Rings, die als diskrete Knoten aus blauem Licht erscheinen. Mittels schmalbandiger Wasserstoff-Alpha-Bildgebung wurden Regionen mit aktiver Sternentstehung identifiziert, indem das charakteristische rote Leuchten von ionisiertem Wasserstoffgas um neugeborene massereiche Sterne entdeckt wurde.

Ort im Universum

Konstellation

Volans

Entfernung von der Erde

300 Millionen Lichtjahre

Lustige Fakten

  • 1

    Der Ring von AM 0644-741 dehnt sich mit etwa 90 Kilometern pro Sekunde nach außen aus, wirbelt Gas wie ein kosmischer Schneepflug auf und hinterlässt ein relativ sternenfreies Inneres.

  • 2

    Ringgalaxien gehören zu den seltensten Galaxientypen im Universum – weniger als eine von zehntausend Galaxien weist diese Morphologie auf, da sie eine nahezu frontale Kollision im genau richtigen Winkel erfordert.

  • 3

    Der blaue Ring enthält Milliarden Sonnenmassen neu entstandener Sterne, von denen einige vor weniger als 10 Millionen Jahren entstanden sind. Damit sind diese Sternkinderstuben jünger als viele Dinosaurierarten, die einst auf der Erde lebten.

Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop