
Über dieses Bild
Dieses außergewöhnliche Bild zeigt den Zerfall des antiken Kometen 332P/Ikeya-Murakami, als er sich 2016 der Sonne näherte, und fängt eine der detailliertesten Ansichten des katastrophalen Auseinanderbrechens eines Kometen ein. Das Trümmerfeld des Kometen besteht aus gebäudegroßen Ureis- und Gesteinsbrocken nahe der Bildmitte, wobei jedes Fragment ein Stück Material darstellt, das seit der Entstehung des Sonnensystems vor 4,5 Milliarden Jahren praktisch unverändert geblieben ist. Das helle Objekt unten links ist der Hauptkern des Kometen, das größte verbleibende Stück des ursprünglichen Körpers. Als die Sonnenwärme die Struktur des Kometen schwächte, zerbrach er in Dutzende Fragmente, die nun entlang seiner Umlaufbahn treiben. Dieses Zerfallsereignis bietet Astronomen eine beispiellose Gelegenheit, die innere Zusammensetzung und die strukturellen Eigenschaften dieser alten Eiswanderer zu untersuchen und Hinweise auf die Bedingungen im frühen Sonnennebel und die Bausteine zu geben, die unser Planetensystem bildeten.
Wissenschaftliche Bedeutung
Diese Trümmerfeldansicht des Kometen 332P/Ikeya-Murakami bietet den detailliertesten Blick auf die Folgen eines Kometenzerfallsereignisses, das jemals von einem Weltraumteleskop aufgenommen wurde. Die räumliche Verteilung und der Größenbereich der Fragmente liefern direkte Beweise für das Trümmerhaufen-Modell von Kometenkernen, das darauf hindeutet, dass Kometenkerne keine festen monolithischen Körper sind, sondern eher locker verbundene Aggregate kleinerer Eis- und Felsstücke, die durch schwache Eigengravitation und Kohäsionskräfte zusammengehalten werden. Die Beobachtung, dass Fragmente in einzelnen Chargen und nicht in einem kontinuierlichen Sprühnebel erzeugt wurden, lässt darauf schließen, dass der Kern eine geschichtete oder heterogene innere Struktur mit Zonen unterschiedlicher Stärke und unterschiedlichem Gehalt an flüchtigen Bestandteilen aufweist. Diese Erkenntnis hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Verteidigungsstrategien des Planeten, da das Verständnis, ob es sich bei gefährlichen Objekten um feste oder lose gebundene Trümmerhaufen handelt, darüber entscheidet, ob Ablenkungstechniken wie kinetische Impaktoren oder Schwerkrafttraktoren wirksam wären. Die chemische Analyse der Trümmer ergab außerdem unberührtes Wassereis und kohlenstoffreiche Verbindungen, die auf die Entstehung des Sonnensystems zurückgehen.
Beobachtungsdetails
Dieses Weitwinkelbild wurde mit Hubbles Wide Field Camera 3 (WFC3) aufgenommen und erfasst sowohl den Hauptkern als auch die ausgedehnte Trümmerspur in einem einzigen Bild. Das Teleskop wurde mit der Bewegungsgeschwindigkeit des Kometen gesteuert, um die Fragmente scharf zu halten und gleichzeitig Hintergrundsterne nachlaufen zu lassen. Das Bild erforderte eine sorgfältige Verarbeitung, um die schwachen Fragmentsignale von der diffusen Koma – der verschwommenen Hülle aus Gas und Staub, die den Kometen umgibt – zu trennen. Aus Beobachtungen mit mehreren Breitbandfiltern wurden Farbinformationen abgeleitet, die es Astronomen ermöglichten, die Staubzusammensetzung und Partikelgrößen innerhalb des Trümmerfeldes zu beurteilen. Die Positionen der Fragmente wurden mit Subpixel-Präzision gemessen, um ihre Auswurfgeschwindigkeiten zu bestimmen und die Zeitachse der Zerfallssequenz zu rekonstruieren.
Ort im Universum
Konstellation
N/A (Sonnensystem)
Entfernung von der Erde
150 Millionen Meilen (zum Zeitpunkt der Beobachtung)
Lustige Fakten
- 1
Das in diesem Bild gezeigte Trümmerfeld erstreckt sich über etwa 3.000 Meilen im Weltraum – etwa die Entfernung von New York nach London – doch jedes einzelne Fragment hat nur die Größe eines Hauses oder eines kleinen Gebäudes.
- 2
Komet 332P wurde ursprünglich unabhängig voneinander von zwei japanischen Amateurastronomen, Kaoru Ikeya und Shigeki Murakami, im Jahr 2010 entdeckt und zeigt, dass Amateurastronomen weiterhin bedeutende Beiträge zur Wissenschaft des Sonnensystems leisten.
- 3
Der unten links sichtbare Hauptkern hat während dieses einzelnen Zerfallsereignisses schätzungsweise 4 % seiner Gesamtmasse verloren, was darauf hindeutet, dass der Komet innerhalb von nur 25 weiteren Umlaufbahnen um die Sonne vollständig zerfallen könnte.
Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop



