
Über dieses Bild
Dieses Bild enthüllt Details eines der ungewöhnlichsten Nebel, die in unserer Milchstraße bekannt sind. Dieser als HD 44179 katalogisierte Nebel wird aufgrund seiner einzigartigen Form und Farbe, wie er durch bodengestützte Teleskope beobachtet wird, häufiger als „Rotes Rechteck“ bezeichnet. Hubbles schärfere Sicht zeigt, dass der Nebel eigentlich gar kein Rechteck ist, sondern eher eine X-förmige Struktur, die aus zwei kegelförmigen Ausflüssen besteht, die vom zentralen Doppelsternsystem ausgehen. Die charakteristischen sprossenartigen Muster, die in den Kegeln sichtbar sind, ähneln den Sprossen einer Leiter und stellen vermutlich aufeinanderfolgende Episoden des Massenauswurfs aus dem sterbenden Stern dar. Die leuchtend rote Farbe entsteht durch ungewöhnliche organische Moleküle im ausströmenden Gas, darunter polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe – komplexe Kohlenstoffverbindungen, die möglicherweise Bausteine für die Chemie des Lebens selbst darstellen.
Wissenschaftliche Bedeutung
Der Rote Rechtecknebel stellt eine kritische Übergangsphase in der Sternentwicklung dar, die als protoplanetares Nebelstadium bekannt ist – das kurze Intervall zwischen der Phase des asymptotischen Riesenzweigs (AGB), in der ein sonnenähnlicher Stern seine äußeren Schichten abwirft, und der Phase des planetarischen Nebels, in der der freigelegte heiße Sternkern das ausgestoßene Material ionisiert. Dieser Übergang ist kaum verstanden, da er astronomisch gesehen schnell abläuft und nur wenige tausend Jahre dauert, was Objekte wie das Rote Rechteck für die Untersuchung der physikalischen und chemischen Prozesse, die planetarische Nebel bilden, außerordentlich wertvoll macht. Die X-förmige bikonische Morphologie des Nebels wird durch einen dichten äquatorialen Staubtorus erzeugt, der das ausströmende Gas in zwei gegenüberliegende Kegel bündelt – eine Geometrie, die zeigt, wie Doppelsternwechselwirkungen und Scheibenbildung die Form der Nebelhüllen beeinflussen. Das Rote Rechteck zeichnet sich auch dadurch aus, dass es einen reichen Bestand an organischen Molekülen enthält, darunter polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und möglicherweise sogar Protofullerenverbindungen. Diese kohlenstoffreichen Moleküle verteilen sich im interstellaren Medium, wenn sich der Nebel ausdehnt, und befruchten zukünftige Generationen sternbildender Wolken mit der komplexen Chemie, die letztendlich zur Bildung organischer Materialien auf Planeten wie der Erde beiträgt.
Beobachtungsdetails
Dieses Bild wurde mit Hubbles Wide Field and Planetary Camera 2 (WFPC2) in mehreren Schmalband- und Breitbandfiltern aufgenommen. Die Beobachtungen lösten zum ersten Mal die X-förmige bikonische Struktur und das leiterartige Sprossenmuster und veränderten unser Verständnis der Geometrie des Nebels von der rechteckigen Form, die auf bodengestützten Bildern nahegelegt wurde. Polarimetrische Beobachtungen ergaben, dass ein Großteil des Lichts des Nebels reflektiertes Sternenlicht ist, das von Staubkörnern in den Kegelwänden gestreut wird, während spektroskopische Daten die molekularen Spezies identifizierten, die für die charakteristische rote Emission verantwortlich sind. Das zentrale Doppelsternsystem bleibt teilweise durch den äquatorialen Staubtorus verdeckt, der das direkte sichtbare Licht aus den Sternkernen blockiert.
Ort im Universum
Konstellation
Monoceros
Entfernung von der Erde
2.300 Lichtjahre
Lustige Fakten
- 1
Das Rote Rechteck ist eine der wenigen bekannten Quellen der mysteriösen Extended Red Emission (ERE) – ein breites Band roter Fluoreszenz, das vermutlich von Kohlenstoffnanopartikeln oder polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen stammt, die durch ultraviolettes Sternenlicht angeregt werden.
- 2
Die im X-förmigen Ausfluss sichtbaren leiterartigen Sprossen sind in bemerkenswert regelmäßigen Abständen angeordnet, was darauf hindeutet, dass sie durch periodische Massenauswurfereignisse entstanden sind, die etwa alle paar hundert Jahre stattfanden, als der Zentralstern pulsierte und seine äußeren Schichten abstreifte.
- 3
Trotz seines Namens ist das Rote Rechteck eigentlich nicht rechteckig – die Form erschien in frühen bodengestützten Bildern kastenförmig, aber Hubble enthüllte seine wahre X-förmige bikonische Struktur und zeigte, wie eine begrenzte Auflösung Astronomen über die wahre Geometrie kosmischer Objekte irreführen kann.
Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop



