Wechselwirkende Galaxien NGC 2207 und IC 2163 (Interagierende Galaxien), aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop für den November 11
November 11Interagierende GalaxienGalaxien

Wechselwirkende Galaxien NGC 2207 und IC 2163

Beobachtet im Jahr 1998

Über dieses Bild

Dieser dramatische kosmische Tanz fängt zwei Spiralgalaxien ein, die in einer Gravitationsumarmung eingeschlossen sind, die letztendlich in ihrer Verschmelzung enden wird. Der größere und massereichere NGC 2207 dominiert die linke Seite des Bildes. Seine stärkere Anziehungskraft verzerrt und streckt seinen kleineren Begleiter IC 2163 in eine längliche, verzerrte Form. Die Wechselwirkung hat in beiden Galaxien intensive Ausbrüche der Sternentstehung ausgelöst, die sich in den strahlend blauen Clustern heißer junger Sterne zeigen, die über ihre Spiralarme verstreut sind. Gezeitenkräfte haben lange Gas- und Sternenströme aus IC 2163 herausgezogen und gleichzeitig Dichtewellen durch beide galaktischen Scheiben geschickt. Dieses System bietet Astronomen eine bemerkenswerte Vorschau auf das, was passieren könnte, wenn unsere eigene Milchstraßengalaxie in etwa 4,5 Milliarden Jahren mit der Andromedagalaxie kollidiert.

Wissenschaftliche Bedeutung

Das NGC 2207/IC 2163-System ist eines der nächstgelegenen und spektakulärsten Beispiele einer Galaxienwechselwirkung in ihren frühen Stadien und bietet entscheidende Beobachtungseinschränkungen für Verschmelzungssimulationen. Die asymmetrische Verzerrung von IC 2163 – mit seinem verlängerten Gezeitenarm, der von NGC 2207 weg zeigt – stimmt wunderbar mit Vorhersagen aus N-Körper-Simulationen von streifenden Begegnungen zwischen Scheibengalaxien überein. Die in diesem System beobachtete außergewöhnliche Supernova-Rate zeigt, wie Gravitationswechselwirkungen Sternexplosionen auslösen, indem sie Gas komprimieren und die Sternentstehung beschleunigen. Untersuchungen der Sternpopulationen in beiden Galaxien zeigen, dass die intensivste Sternentstehung dort stattfindet, wo die Gezeitenkompression am stärksten ist, was einen direkten Zusammenhang zwischen dynamischer Störung und Sternentstehung darstellt. Röntgenbeobachtungen haben zahlreiche ultrahelle Röntgenquellen (ULXs) in diesem System entdeckt – helle kompakte Objekte, bei denen es sich um Schwarze Löcher mittlerer Masse oder Schwarze Löcher extremer Sternmasse handeln kann, die Material mit hoher Geschwindigkeit ansammeln – was unserem Verständnis energetischer Phänomene in wechselwirkenden Galaxien eine weitere Dimension verleiht.

Beobachtungsdetails

Hubble beobachtete dieses interagierende Galaxienpaar mit der Wide Field Planetary Camera 2 (WFPC2) in mehreren Breitbandfiltern, die blaue bis nahinfrarote Wellenlängen abdecken. Die mehrfarbige Bildgebung enthüllte die Verteilung junger blauer Sternhaufen, die sich entlang der komprimierten Spiralarme und Gezeitenmerkmale konzentrierten, und kartierte gleichzeitig die älteren Sternpopulationen und Staubbahnen, die sich durch beide Galaxien ziehen. Die hohe Winkelauflösung von WFPC2 war entscheidend für die Auflösung einzelner Sternentstehungskomplexe und die Erkennung der detaillierten Struktur der Gezeitenmerkmale, die die beiden Galaxien verbinden und umgeben.

Ort im Universum

Konstellation

Canis Major

Entfernung von der Erde

114 Millionen Lichtjahre

Lustige Fakten

  • 1

    NGC 2207 und IC 2163 haben eine außergewöhnliche Anzahl von Supernovae erzeugt – seit 1975 wurden in diesem System mindestens sieben beobachtet, eine der höchsten bekannten Raten.

  • 2

    Die beiden Galaxien sind derzeit von Kante zu Kante nur etwa 40.000 Lichtjahre voneinander entfernt, was ungefähr der Entfernung von der Sonne bis zum Zentrum der Milchstraße entspricht.

  • 3

    In etwa einer Milliarde Jahren werden diese beiden Galaxien vollständig zu einer einzigen, größeren Galaxie verschmelzen und sich wahrscheinlich von einer Spiralgalaxie in eine elliptische Galaxie verwandeln.

Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop