Galaxienpaar NGC 6090 (Interagierende Galaxien), aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop für den November 12
November 12Interagierende GalaxienGalaxien

Galaxienpaar NGC 6090

Beobachtet im Jahr 2005

Über dieses Bild

Dieses atemberaubende Bild zeigt NGC 6090, eine dramatische Kollision zweier Spiralgalaxien, deren überlappende Zentralregionen die gewaltige Schönheit galaktischer Verschmelzungen offenbaren. Die beiden galaktischen Kerne, die jetzt nur noch etwa 10.000 Lichtjahre voneinander entfernt sind, sind von einem chaotischen Gewirr aus Sternen, Gas und Staub umgeben, während ihre Muttergalaxien sich gegenseitig durchdringen und ihre endgültige Verschmelzung beginnen. Zwei spektakuläre Gezeitenschweife breiten sich aus dem Verschmelzungsüberrest aus – lange Streifen aus Sternen und Gas, die bei ihrer nahen Begegnung durch die Schwerkraft aus den äußeren Regionen der Galaxien gerissen wurden. Die extremen Gravitationskräfte haben im gesamten System intensive Sternexplosionen ausgelöst und leuchtende Knoten junger Sternhaufen erzeugt, die die gestörte Spiralstruktur nachzeichnen. NGC 6090 wird als leuchtende Infrarotgalaxie (LIRG) klassifiziert und strahlt enorme Mengen an Energie im Infrarotbereich aus, da durch den Starburst erhitzter Staub absorbiertes Sternenlicht wieder aussendet.

Wissenschaftliche Bedeutung

NGC 6090 ist ein entscheidendes Objekt für das Verständnis der Zwischenstadien der Verschmelzung großer Galaxien – der Zeit nach der ersten Passage, in der sich die beiden Kerne schnell ihrer endgültigen Verschmelzung nähern. Als leuchtende Infrarotgalaxie stellt NGC 6090 eine Klasse von Objekten dar, die die kosmische Sternentstehungsrate im frühen Universum dominieren könnten, als Verschmelzungen häufiger auftraten. Die Doppelkerne und markanten Gezeitenschweife bieten Beobachtungsmaßstäbe für die Prüfung numerischer Simulationen von Galaxienkollisionen. Durch die Messung der Sternpopulationen in verschiedenen Regionen – der Kerne, der Gezeitenschweife und der sie verbindenden Materialbrücke – können Astronomen die Chronologie der Verschmelzung rekonstruieren und bestimmen, wann und wo die Sternentstehung ausgelöst wurde. Die letztendliche Verschmelzung der Schwarzen Löcher von NGC 6090 wird einen starken Ausbruch von Gravitationswellen erzeugen, weshalb das Verständnis solcher Systeme für die Vorhersage der Häufigkeit von Gravitationswellenereignissen wichtig ist. NGC 6090 dient auch als lokales Analogon zur Untersuchung der weiter entfernten, extremeren Verschmelzungen, die bei Tiefenuntersuchungen des frühen Universums beobachtet wurden.

Beobachtungsdetails

Hubble beobachtete NGC 6090 mit der Advanced Camera for Surveys (ACS) in optischen Breitbandfiltern im Rahmen einer Untersuchung nahegelegener leuchtender Infrarotgalaxien. Die Beobachtungen erfassten sowohl die detaillierte Kernstruktur – die Auflösung der beiden verschmelzenden Kerne und die gestörte Scheibenmorphologie zwischen ihnen – als auch die ausgedehnten Gezeitenschweife, die sich weit über den Hauptkörper hinaus erstrecken. Schmalbandbildgebung in Wasserstoff-Alpha verfolgte die Verteilung von ionisiertem Gas und aktiven Sternentstehungsregionen. Die Kombination optischer Hubble-Daten mit Infrarotbeobachtungen des Spitzer-Weltraumteleskops enthüllte, wie die Starburst-Aktivität über die Verschmelzung verteilt ist und wie viel sich hinter der dicken Staubverdunkelung verbirgt.

Ort im Universum

Konstellation

Draco

Entfernung von der Erde

400 Millionen Lichtjahre

Lustige Fakten

  • 1

    Die beiden galaktischen Kerne von NGC 6090 sind nur 10.000 Lichtjahre voneinander entfernt – nur ein Zehntel des Durchmessers der Milchstraße – und werden innerhalb weniger hundert Millionen Jahre vollständig verschmelzen.

  • 2

    Die Infrarotleuchtkraft von NGC 6090 übersteigt 100 Milliarden Sonnenleuchtkräfte, was fast ausschließlich auf die heftige Sternentstehung zurückzuführen ist, die durch die Verschmelzung ausgelöst wurde.

  • 3

    Die langen Gezeitenschweife erstrecken sich über 100.000 Lichtjahre von der zentralen Verschmelzung entfernt und enthalten genug Gas, um Millionen neuer Sterne zu bilden.

Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop