Antennengalaxien (Interagierende Galaxien), aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop für den Februar 16
Februar 16Interagierende GalaxienGalaxien

Antennengalaxien

Beobachtet im Jahr 2005

Über dieses Bild

Die Antennengalaxien (NGC 4038 und NGC 4039) sind zwei ehemalige Spiralgalaxien, die in eine spektakuläre kosmische Kollision verwickelt waren, die erst vor wenigen hundert Millionen Jahren begann – ein astronomisch gesehen relativ junges Ereignis. Dieses atemberaubende Hubble-Bild zeigt das Chaos und die Schönheit der laufenden Verschmelzung in exquisiten Details, von den leuchtend blauen Clustern neugeborener Sterne, die durch die Kollision entzündet wurden, bis zu den dunklen Staubfäden, die sich durch die gestörten galaktischen Scheiben winden. Die Galaxien haben ihren eindrucksvollen Namen von den beiden langen, gewölbten Schweifen aus Sternen, Gas und Staub, die durch die Gezeitenkräfte der Gravitation nach außen geschleudert werden – Schwänze, die auf Bildern mit größerem Feld den Antennen eines Insekts ähneln. Im Laufe dieser Verschmelzung, die noch mehrere hundert Millionen Jahre andauern wird, werden Milliarden neuer Sterne entstehen, wenn Gaswolken aus beiden Galaxien kollidieren und sich verdichten. Die Antennen sind das nächste und jüngste Beispiel eines Paars kollidierender Galaxien und damit das maßgebliche Labor für die Untersuchung, wie galaktische Verschmelzungen intensive Episoden der Sternentstehung auslösen.

Wissenschaftliche Bedeutung

Die Antennengalaxien sind das am umfassendsten untersuchte Beispiel einer laufenden Galaxienverschmelzung und dienen als primärer Maßstab für die Prüfung theoretischer Modelle der Galaxienwechselwirkungen. Ihre Nähe und das relativ frühe Stadium ihrer Verschmelzung ermöglichen einen beispiellosen Einblick in die physikalischen Prozesse, die durch galaktische Kollisionen ausgelöst werden. Hubbles Beobachtungen haben gezeigt, dass die Sternentstehungsrate im Überlappungsbereich – wo sich die beiden galaktischen Scheiben durchdringen – um ein Vielfaches höher ist als in den ungestörten Teilen der einzelnen Galaxien, was direkt zeigt, wie Kollisionen die Sternentstehung fördern. Die Tausenden jungen Sternhaufen, die während der Wechselwirkung entstanden sind, weisen eine Reihe von Altersstufen, Massen und Größen auf und bieten einen reichhaltigen Datensatz für die Untersuchung der Entstehung und Entwicklung von Supersternhaufen. Viele dieser Sternhaufen sind massiv genug, um schließlich zu Kugelsternhaufen zu werden, was darauf hindeutet, dass die alten Kugelsternhaufen, die heute die Milchstraße umkreisen, bei ähnlichen Verschmelzungsereignissen vor Milliarden von Jahren entstanden sein könnten.

Beobachtungsdetails

Hubble hat die Antennengalaxien mehrfach mit der Wide Field and Planetary Camera 2 (WFPC2) und der Advanced Camera for Surveys (ACS) in Breitband- und Schmalbandfiltern beobachtet, die ultraviolette bis nahinfrarote Wellenlängen abdecken. Ultraviolette Beobachtungen waren entscheidend für die Identifizierung der jüngsten und heißesten Sternhaufen, während Nahinfrarotaufnahmen die starke Staubverdunkelung im Überlappungsbereich durchdrangen, um verborgene Sternpopulationen aufzudecken. Die Wasserstoff-Alpha-Schmalbandbildgebung kartierte die Verteilung ionisierten Gases und identifizierte HII-Regionen, die mit aktiver Sternentstehung verbunden sind. Beobachtungen über mehrere Epochen hinweg haben sogar die Bewegung einiger Supernova-Überreste innerhalb des Systems entdeckt.

Ort im Universum

Konstellation

Corvus

Entfernung von der Erde

45 Millionen Lichtjahre

Lustige Fakten

  • 1

    Die Antennengalaxien enthalten über tausend leuchtende junge Sternhaufen, von denen einige jeweils Zehntausende Sterne enthalten – die meisten davon entstanden als direkte Folge der Kollision, bei der Gaswolken komprimiert wurden.

  • 2

    Die beiden Gezeitenschweife, die den Antennen ihren Namen geben, erstrecken sich von Spitze zu Spitze über 500.000 Lichtjahre – mehr als das Fünffache des Durchmessers unserer Milchstraßengalaxie.

  • 3

    Simulationen zeigen, dass die beiden Galaxien in etwa 400 Millionen Jahren vollständig zu einer einzigen elliptischen Galaxie verschmelzen werden, was einen Vorgeschmack darauf gibt, was passieren wird, wenn die Milchstraße mit Andromeda kollidiert.

Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop