Spiralgalaxie NGC 1313 (Gesperrte Spiralgalaxie), aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop für den Februar 22
Februar 22Gesperrte SpiralgalaxieGalaxien

Spiralgalaxie NGC 1313

Beobachtet im Jahr 2004

Über dieses Bild

Dieses detaillierte Hubble-Bild zeigt einzelne Sterne im zentralen Bereich der Balkenspiralgalaxie NGC 1313, einer sich stark sternbildenden Galaxie, die etwa 14 Millionen Lichtjahre entfernt im südlichen Sternbild Retikulum liegt. NGC 1313 wird als Starburst-Galaxie klassifiziert, was bedeutet, dass sie im Vergleich zu typischen Spiralgalaxien außergewöhnlich schnell Sterne bildet. Das Bild zeigt ein chaotisches Geflecht aus blauen Sternhaufen, rosafarbenen Wasserstoffemissionsregionen und dunklen Staubbahnen, die sich durch das galaktische Zentrum schlängeln. Im Gegensatz zu den ordentlich organisierten Spiralarmen von Galaxien wie der Milchstraße erscheint die Struktur von NGC 1313 etwas zerzaust und unregelmäßig, wobei die Sternentstehungsregionen überall verstreut sind und nicht auf klar definierte Spiralarme beschränkt sind. Dieses unorganisierte Erscheinungsbild könnte das Ergebnis einer früheren Gravitationswechselwirkung mit einer anderen Galaxie oder der internen Auswirkungen der intensiven Sternentstehung selbst sein, deren kollektiver Energieausstoß aus Supernovae und Sternwinden das interstellare Medium aufwühlen und stören kann. NGC 1313 beherbergt außerdem zwei ultrahelle Röntgenquellen, mysteriöse Objekte, deren extreme Röntgenleuchtkraft darauf hindeutet, dass sie möglicherweise Schwarze Löcher mittlerer Masse enthalten.

Wissenschaftliche Bedeutung

NGC 1313 ist eine Galaxie von entscheidender Bedeutung für das Verständnis der Starburst-Aktivität und der Beziehung zwischen Sternentstehung und galaktischer Struktur. Seine Nähe ermöglicht es Hubble, einzelne massereiche Sterne und Sternhaufen aufzulösen und so eine detaillierte Zählung der Sternpopulationen zu ermöglichen, die den Starburst antreiben. Die beiden ultrahellen Röntgenquellen der Galaxie gehören zu den am besten untersuchten Beispielen dieser rätselhaften Objekte, die möglicherweise eine völlig neue Klasse von Schwarzen Löchern darstellen, deren Masse zwischen Schwarzen Löchern mit Sternmasse und supermassereichen Schwarzen Löchern in galaktischen Zentren liegt. Das Verständnis der ULXs in NGC 1313 schränkt Theorien zur Bildung und zum Wachstum von Schwarzen Löchern ein. Die Starburst-Aktivität der Galaxie in Kombination mit ihrer scheinbar isolierten Umgebung stellt Modelle in Frage, die Galaxienwechselwirkungen oder -verschmelzungen erfordern, um eine verstärkte Sternentstehung auszulösen, was darauf hindeutet, dass interne Prozesse allein – wie stabgetriebene Gaszuflüsse – in einigen Galaxien eine kräftige Sternentstehung aufrechterhalten können.

Beobachtungsdetails

Hubble hat NGC 1313 mit der Advanced Camera for Surveys (ACS) in Breitbandfiltern abgebildet, die blaue bis nahinfrarote Wellenlängen umfassen. Die ACS-Beobachtungen lösten einzelne helle Sterne und kompakte Sternhaufen in der Entfernung zur Galaxie auf und ermöglichten die Erstellung von Farb-Helligkeits-Diagrammen für verschiedene Regionen der Galaxie. Schmalbandige Wasserstoff-Alpha-Beobachtungen kartierten die Verteilung von HII-Regionen und quantifizierten die aktuelle Sternentstehungsrate. Die Beobachtungen wurden mit der Bildgebung des Chandra-Röntgenobservatoriums koordiniert, um die Umgebung der ultrahellen Röntgenquellen im Kontext mehrerer Wellenlängen zu untersuchen.

Ort im Universum

Konstellation

Retikulum

Entfernung von der Erde

14 Millionen Lichtjahre

Lustige Fakten

  • 1

    NGC 1313 enthält zwei ultraluminöse Röntgenquellen (ULXs), die jeweils die gesamte Röntgenstrahlungsleistung der meisten Galaxien übertreffen – diese könnten von Schwarzen Löchern mit Massen zwischen dem 100- und 10.000-fachen der Sonnenmasse angetrieben werden.

  • 2

    Trotz seiner relativ geringen Größe erzeugt NGC 1313 etwa dreimal schneller Sterne als die Milchstraße, was ihn zu einem kosmischen Überflieger bei der Sternproduktion macht.

  • 3

    NGC 1313 scheint eine wirklich isolierte Galaxie ohne nennenswerte Nachbarn zu sein, was ihre gestörte Struktur umso rätselhafter macht – was auch immer ihr geordnetes Spiralmuster störte, kam von innen oder durch eine längst vergangene Wechselwirkung.

Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop