
Über dieses Bild
Hubble fing einen dramatischen Feuersturm der Sternentstehung ein, der ein Ende der Zwerggalaxie Kiso 5639 erleuchtete, ein Mitglied einer seltenen Klasse von Objekten, die als „Kaulquappen“-Galaxien bekannt sind und ihren Namen wegen ihrer hellen, kompakten Köpfe und länglichen, sich verjüngenden Schwänze haben. Der strahlende Glanz aus blau-weißem Licht an der Spitze der Galaxie ist ein gewaltiger Ausbruch neuer Sternentstehung, bei dem sich Tausende heißer, junger Sterne in einer konzentrierten Region aus komprimiertem Gas entzündet haben. Der längliche Schweif zieht wie ein kosmischer Komet hinterher und besteht aus älteren, röteren Sternen, die die bereits existierende Sternpopulation der Galaxie darstellen. Es wird angenommen, dass die besondere Form von Kiso 5639 auf die Ansammlung von frischem, unberührtem Gas aus dem intergalaktischen Medium zurückzuführen ist – Gas, das noch nie zuvor an der Sternentstehung beteiligt war. Wenn dieses metallarme Gas auf ein Ende der Galaxie fällt, löst es die intensive lokale Sternentstehung aus, die die charakteristische Kaulquappenmorphologie erzeugt. Dieser Prozess könnte Bedingungen nachahmen, die im frühen Universum üblich waren, als Galaxien routinemäßig durch die Ansammlung kalter Gasströme aus dem kosmischen Netz wuchsen.
Wissenschaftliche Bedeutung
Kiso 5639 bietet eine seltene Gelegenheit, die Kaltflussakkretion zu untersuchen – einen Prozess, der theoretisch der primäre Mechanismus für das Wachstum von Galaxien im frühen Universum ist. In diesem Szenario strömen schmale Ströme aus kaltem, unverarbeitetem Gas entlang der Filamente des kosmischen Netzes direkt auf Galaxien und lösen so eine intensive, aber lokalisierte Sternentstehung aus. Während dieser Prozess vor Milliarden von Jahren vorherrschend war, ermöglicht die Suche nach einem nahegelegenen Beispiel wie Kiso 5639 eine detaillierte Untersuchung mit Hubbles vollem Auflösungsvermögen. Die scharfe Grenze zwischen der jungen, blauen Starburst-Region und der älteren, roten Sternpopulation im Schweif liefert einen direkten Beweis dafür, dass die Sternentstehung kürzlich durch ein äußeres Ereignis ausgelöst wurde und nicht auf interne galaktische Prozesse zurückzuführen ist. Die spektroskopische Analyse der Starburst-Region zeigt extrem geringe Sauerstoffmengen in den neu entstehenden Sternen, was mit der Ansammlung von nahezu unberührtem intergalaktischem Gas übereinstimmt. Kiso 5639 dient somit als lokales Analogon für die im frühen Universum vorherrschenden Kaulquappengalaxien.
Beobachtungsdetails
Hubble beobachtete Kiso 5639 mit der Wide Field Camera 3 (WFC3) in ultravioletten, sichtbaren und nahinfraroten Filtern. Die Ultraviolettbeobachtungen waren besonders wichtig für die Kartierung der Verteilung der jüngsten und heißesten Sterne in der Starburst-Region, da massereiche O- und B-Sterne den Großteil ihrer Energie bei kurzen Wellenlängen abstrahlen. Filter für sichtbares Licht erfassten die älteren Sternpopulationen und die Staubverteilung, während die schmalbandige Wasserstoff-Alpha-Bildgebung das ionisierte Gas enthüllte, das die jungen Sternentstehungskomplexe umgibt. Die Kombination der Wellenlängen ermöglichte die Altersbestimmung von Sternpopulationen in der gesamten Galaxie.
Ort im Universum
Konstellation
Ursa Major
Entfernung von der Erde
82 Millionen Lichtjahre
Lustige Fakten
- 1
Kaulquappengalaxien wie Kiso 5639 sind im nahen Universum selten, kamen aber im frühen Kosmos häufig vor – Untersuchungen zeigen, dass sie etwa 10 % aller Galaxien ausmachten, als das Universum erst 2–3 Milliarden Jahre alt war.
- 2
Der Sternentstehungsausbruch am Kopf von Kiso 5639 hat einen Durchmesser von etwa 2.700 Lichtjahren und enthält Sterne, die weniger als ein paar Millionen Jahre alt sind – Neugeborene auf der kosmischen Zeitskala.
- 3
Das Gas, das den Starburst antreibt, hat eine sehr geringe Metallizität, was darauf hindeutet, dass es sich um relativ unberührtes Material handelt, das von außerhalb der Galaxie einströmt, und nicht um recyceltes Gas aus früheren Sterngenerationen.
Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop



