
Über dieses Bild
Dieses Hubble-Bild ähnelt einem wirbelnden Hexenkessel aus leuchtenden Dämpfen und zeigt den von Schwarzen Löchern angetriebenen Kern der Circinus-Galaxie, einer der der Milchstraße am nächsten gelegenen aktiven Galaxien mit nur etwa 13 Millionen Lichtjahren. Das als Seyfert-Galaxie vom Typ II klassifizierte zentrale supermassereiche Schwarze Loch verschlingt aktiv umgebendes Gas und Staub, während es teilweise von einem dicken Materialtorus verdeckt wird. Das Bild zeigt zwei unterschiedliche Gasringe: einen äußeren Ring mit einem Durchmesser von etwa 700 Lichtjahren, in dem eine heftige Sternentstehung stattfindet, und einen inneren Ring mit einem Durchmesser von nur 130 Lichtjahren, in dem Gas durch die intensive Strahlung des aktiven Kerns erhitzt und ionisiert wird. Aus dem Kern werden kegelförmige Gaswolken ausgestoßen, die von der heftigen ultravioletten und Röntgenstrahlung des Zentraltriebwerks beleuchtet werden.
Wissenschaftliche Bedeutung
Die Circinus-Galaxie ist eines der nächstgelegenen und am besten zugänglichen Beispiele eines aktiven galaktischen Kerns (AGN) und damit ein unschätzbar wertvolles Labor für die Untersuchung der physikalischen Prozesse, die diese außergewöhnlichen Objekte antreiben. Da es sich um eine Seyfert-Galaxie vom Typ II handelt, wird ihr aktiver Kern durch einen undurchsichtigen Torus aus Staub und Gas betrachtet. Dies stellt ein natürliches Experiment dar, das das einheitliche Modell von AGN testet – den theoretischen Rahmen, der besagt, dass verschiedene Arten aktiver Galaxien grundsätzlich dieselben Objekte sind, die aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden. Hubble-Beobachtungen der Ionisationskegel – V-förmige Gasregionen, die vom Zentralmotor beleuchtet werden – haben einige der deutlichsten Beweise für die Strahlungskollimation durch den staubigen Torus geliefert. Die Zweiringstruktur der Galaxie zeigt das komplexe Zusammenspiel zwischen AGN-Aktivität und Sternentstehung, da die Strahlung des Schwarzen Lochs die Sternentstehung im umgebenden Gas sowohl auslösen als auch unterdrücken kann.
Beobachtungsdetails
Dieses Bild wurde mit Hubbles Wide Field and Planetary Camera 2 (WFPC2) durch eine Kombination aus Schmalband-Emissionslinienfiltern und Breitband-Kontinuumsfiltern aufgenommen. Die Schmalbandfilter isolierten Emissionen von ionisiertem Wasserstoff (H-alpha), doppelt ionisiertem Sauerstoff ([O III]) und ionisiertem Stickstoff ([N II]) und wurden verschiedenen Farben zugeordnet, um verschiedene Gasanregungsmechanismen hervorzuheben. Die [O III]-Emission spürt hochionisiertes Gas in den Strahlungskegeln auf, die direkt vom AGN gespeist werden, während die H-Alpha-Emission Sternentstehungsregionen im äußeren Ring aufdeckt. Die Winkelauflösung von Hubble war entscheidend für die Trennung der kompakten Kernstrukturen von den umgebenden Sternentstehungsregionen.
Ort im Universum
Konstellation
Zirkus
Entfernung von der Erde
13 Millionen Lichtjahre
Lustige Fakten
- 1
Die Circinus-Galaxie wurde erst 1977 entdeckt, weil sie nahe der Ebene der Milchstraße liegt, wo dichte Sterne und Staub im Vordergrund das Erkennen erschweren – sie versteckte sich in unserem kosmischen Hinterhof und war gut sichtbar.
- 2
Das supermassive Schwarze Loch im Zentrum der Circinus-Galaxie hat schätzungsweise eine Masse von etwa 1,7 Millionen Sonnenmassen, etwa die Hälfte der Masse des zentralen Schwarzen Lochs der Milchstraße.
- 3
Die Circinus-Galaxie ist eine der hellsten Wassermaser-Emissionsquellen am Himmel, wobei Wassermoleküle in ihrer zentralen Region als natürlicher Laser wirken und die Mikrowellenstrahlung auf außergewöhnliche Intensitäten verstärken.
Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop



