Galaxie ESO 99-4 (Eigenartige Galaxie), aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop für den April 14
April 14Eigenartige GalaxieGalaxien

Galaxie ESO 99-4

Beobachtet im Jahr 2006

Über dieses Bild

ESO 99-4 ist eine Galaxie mit einer höchst eigenartigen und gestörten Morphologie, die etwa 400 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Triangulum Australe liegt. Seine bizarre Form ist mit ziemlicher Sicherheit das Ergebnis einer galaktischen Verschmelzung – einer Gravitationskollision zwischen zwei Galaxien, die die ursprünglichen Strukturen beider Teilnehmer völlig zerstört hat. Der Hauptkörper der Galaxie wird größtenteils von dunklen Streifen interstellaren Staubs verdeckt, die das sichtbare Sternenlicht dramatisch durchschneiden, was darauf hindeutet, dass durch die Verschmelzung große Mengen an Staub und Gas aufgewirbelt und neu verteilt wurden. Schwache Gezeitenschweife und Sternströme erstrecken sich von der Zentralregion nach außen und zeugen von den Gravitationskräften, die den ursprünglichen Galaxien bei ihrer Begegnung Material entrissen. Verschmelzungen wie diese sind ein grundlegender Mechanismus der Galaxienentwicklung, da sie geordnete Spiralgalaxien in chaotische, unregelmäßige Formen verwandeln, bevor sie sich über Milliarden von Jahren schließlich in glatte elliptische Galaxien verwandeln.

Wissenschaftliche Bedeutung

ESO 99-4 bietet einen Einblick in die Zwischenstadien der Galaxienverschmelzung, einem Prozess, der für das hierarchische Modell der Galaxienentstehung von zentraler Bedeutung ist. Während viele gut untersuchte Verschmelzungen entweder die frühe Wechselwirkungsphase (mit klar getrennten Galaxien und Gezeitenbrücken) oder die späte Phase (eine nahezu entspannte elliptische Galaxie) zeigen, erfasst ESO 99-4 die chaotische Mittelphase, in der die beiden ursprünglichen Galaxien vollständig verschmolzen sind, die resultierende Struktur sich jedoch noch nicht dynamisch entspannt hat. Die markanten Staubspuren liefern Informationen darüber, wie interstellares Material bei Verschmelzungen umverteilt wird, was sich direkt auf die Verteilung und Geschwindigkeit der Sternentstehung im Überrest auswirkt. Untersuchungen der Sternpopulationen in Überresten von Verschmelzungen wie ESO 99-4 offenbaren unterschiedliche Episoden der Sternentstehung, die in verschiedenen Stadien der Verschmelzung ausgelöst wurden, und schaffen so einen Fossilienbestand der Wechselwirkungsgeschichte, der sich aus dem Alter und der chemischen Zusammensetzung der Sterne ergibt.

Beobachtungsdetails

Dieses Bild wurde mit Hubbles Advanced Camera for Surveys (ACS) in Breitbandfiltern für sichtbares Licht aufgenommen. Die mehrfarbige Abbildung zeigt den Kontrast zwischen dem geröteten Sternenlicht, das durch die dichten Staubbahnen dringt, und dem blaueren Licht aus unverdeckten Regionen und jungen Sternentstehungskomplexen. Die Auflösung von Hubble war entscheidend, um die detaillierte Morphologie der Staubspuren zu verfolgen und kompakte Sternentstehungsregionen zu identifizieren, die im Verschmelzungsüberrest eingebettet sind. Die Beobachtungen enthüllten auch schwache Gezeitenmerkmale in den Randgebieten der Galaxie, die die Geschichte der Gravitationswechselwirkung nachzeichnen.

Ort im Universum

Konstellation

Triangulum Australe

Entfernung von der Erde

400 Millionen Lichtjahre

Lustige Fakten

  • 1

    Galaxienverschmelzungen wie die, die ESO 99-4 hervorgebracht hat, dauern normalerweise Hunderte Millionen bis Milliarden Jahre, sodass wir auf diesem Bild nur einen einzigen eingefrorenen Moment einer kosmischen Kollision sehen, die sich in extremer Zeitlupe abspielt.

  • 2

    Die dunklen Staubbänder, die einen Großteil von ESO 99-4 verdecken, wären bei frontaler Betrachtung nahezu unsichtbar, aber durch ihre Ausrichtung von der Kante heben sie sich dramatisch vom Sternenlicht dahinter ab.

  • 3

    Unsere eigene Milchstraßengalaxie befindet sich auf Kollisionskurs mit der Andromedagalaxie, und in etwa 4,5 Milliarden Jahren könnte das verschmolzene System dem ähneln, was wir heute in ESO 99-4 sehen.

Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop