
Über dieses Bild
Dieses atemberaubende Hubble-Bild fängt eine beispiellose dreifache Darstellung roter Sturmsysteme in Jupiters turbulenter Atmosphäre ein. Der legendäre Große Rote Fleck, ein gewaltiger antizyklonaler Sturm, der seit mindestens 350 Jahren wütet, dominiert die rechte Seite des Bildes. Unten links erscheint Red Spot Jr. (Oval BA), ein jüngerer Sturm, der sich im Jahr 2000 bildete und im Jahr 2005 rot wurde. Am bemerkenswertesten ist, dass links ein noch kleinerer dritter roter Wirbel erscheint, der umgangssprachlich „Baby Red Spot“ genannt wird und erst 2008 seine rote Färbung entwickelt hat. Dies war das erste Mal, dass drei gleichzeitige rote Stürme auf Jupiter beobachtet wurden, was Wissenschaftlern ein einzigartiges natürliches Experiment zum Verständnis der atmosphärischen Chemie und Dynamik bietet, die die charakteristische rote Färbung erzeugen Jupiters Sturmsysteme.
Wissenschaftliche Bedeutung
Die gleichzeitige Beobachtung von drei Roten Sturmsystemen auf Jupiter im Jahr 2008 bot eine außergewöhnliche Gelegenheit, die Mechanismen zu untersuchen, die große antizyklonale Wirbel in Atmosphären von Gasriesen erzeugen und aufrechterhalten. Der Große Rote Fleck ist seit Jahrhunderten Gegenstand von Untersuchungen, doch die grundlegende Frage, welche chemische Verbindung seine rote Farbe erzeugt, bleibt unbeantwortet. Durch den Vergleich der spektralen Eigenschaften von drei Stürmen unterschiedlicher Größe, unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Intensität konnten Astronomen testen, ob der Rötungsmechanismus in erster Linie durch die Intensität des Sturms, die Höhe, die chemische Zusammensetzung oder die Zeit, in der er der ultravioletten Strahlung der Sonne ausgesetzt ist, bestimmt wird. Die anschließende Zerstörung des Baby-Roten Flecks durch Interaktion mit dem Großen Roten Fleck lieferte Daten über Wirbel-Wirbel-Wechselwirkungen und die Stabilität der gebänderten Windstruktur des Jupiter. Diese Beobachtungen haben direkte Auswirkungen auf das Verständnis der atmosphärischen Dynamik auf anderen Riesenplaneten und Exoplaneten.
Beobachtungsdetails
Dieses Bild wurde am 15. Mai 2008 mit Hubbles Wide Field and Planetary Camera 2 (WFPC2) in mehreren Filtern für sichtbares Licht aufgenommen. Die Beobachtungen wurden strategisch so geplant, dass alle drei roten Stürme auf derselben Hemisphäre des Jupiter erfasst wurden. Mehrere Kurzbelichtungen wurden kombiniert, um Jupiters schnelle 10-Stunden-Rotation einzufrieren und das Signal-Rausch-Verhältnis zu maximieren und gleichzeitig Bewegungsunschärfe zu vermeiden. Verschiedene Farbfilter erkundeten unterschiedliche atmosphärische Tiefen: Blaue Filter reagieren empfindlich auf Dunst in größeren Höhen, während rote und Nahinfrarot-Filter bis in tiefere Wolkenschichten vordringen und eine dreidimensionale Ansicht der Sturmstrukturen ermöglichen.
Ort im Universum
Konstellation
N/A (Sonnensystem)
Entfernung von der Erde
365 Millionen bis 601 Millionen Meilen (variiert)
Lustige Fakten
- 1
Der Große Rote Fleck ist so groß, dass zwei bis drei Erden hineinpassen könnten, dennoch ist er im letzten Jahrhundert langsam geschrumpft – Messungen aus dem 19. Jahrhundert deuten darauf hin, dass er einst über 25.000 Meilen breit war, heute sind es etwa 10.000 Meilen.
- 2
Der kleine rote Fleck, der links in diesem Bild zu sehen ist, war nur von kurzer Dauer: Nur wenige Wochen nachdem Hubble dieses Porträt aufgenommen hatte, driftete der winzige Wirbel zu nahe an den Großen Roten Fleck heran und wurde auseinandergerissen und von dem größeren Sturm absorbiert.
- 3
Niemand weiß genau, welche chemische Verbindung den roten Flecken des Jupiters ihre charakteristische Farbe verleiht. Zu den wichtigsten Kandidaten zählen jedoch Phosphorverbindungen oder komplexe organische Moleküle namens Tholine, die entstehen, wenn Ammoniak und Acetylen ultraviolettem Sonnenlicht ausgesetzt werden.
Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop



