
Über dieses Bild
RDCS 1252.9-2927 ist einer der entferntesten und massereichsten Galaxienhaufen, die im frühen Universum bekannt sind. Er befindet sich etwa 8,5 Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Centaurus. Dieser Sternhaufen wurde so beobachtet, wie er erschien, als das Universum erst etwa fünf Milliarden Jahre alt war. Er war bereits eine gut entwickelte Struktur mit Hunderten von Galaxien, von denen sich viele bereits zu roten, ruhenden Ellipsen entwickelt hatten. Die Entdeckung eines so ausgereiften Clusters in dieser kosmischen Epoche stellte bestehende Modelle der Strukturbildung in Frage, die vorhersagten, dass der Aufbau massiver Cluster länger dauern würde. Hubbles Tiefenbildgebung enthüllte die Galaxienpopulation in außergewöhnlicher Detailliertheit und zeigte, dass viele Clustermitglieder viel früher als erwartet aufgehört hatten, Sterne zu bilden.
Wissenschaftliche Bedeutung
RDCS 1252.9-2927 spielte eine entscheidende Rolle bei der Prüfung kosmologischer Modelle der hierarchischen Strukturbildung. Im Standard-Lambda-CDM-Framework wachsen Galaxienhaufen durch die Ansammlung und Verschmelzung kleinerer Gruppen über Milliarden von Jahren. Das Auffinden eines vollständig zusammengesetzten, massereichen Clusters bei einer Rotverschiebung von 1,24 – was einer Rückschauzeit von 8,5 Milliarden Jahren entspricht – führte zu starken Einschränkungen hinsichtlich der Geschwindigkeit, mit der sich die größten kosmischen Strukturen bilden können. Das Vorhandensein entwickelter, sich passiv entwickelnder elliptischer Galaxien innerhalb des Clusters deutete darauf hin, dass diese Galaxien ihre Sterne noch früher bildeten, wahrscheinlich bei Rotverschiebungen von 3 oder höher. Diese Entdeckung trug dazu bei, das Konzept des Downsizing zu etablieren, bei dem die massereichsten Galaxien ihre Sterne am frühesten und am schnellsten bilden, entgegen den naiven Erwartungen hierarchischer Modelle.
Beobachtungsdetails
Hubble beobachtete RDCS 1252.9-2927 mit der Advanced Camera for Surveys (ACS) in der tiefen optischen Bildgebung und der Nahinfrarotkamera und dem Multiobjektspektrometer (NICMOS) im Infrarot. Bei einer Rotverschiebung von 1,24 wird ein Großteil des optischen Lichts der Galaxien ins nahe Infrarot verschoben, was NICMOS-Beobachtungen für die Untersuchung der Sternpopulationen von Clustermitgliedern von entscheidender Bedeutung macht. Die ACS-Daten erfassten die ultraviolette Emission des Restrahmens, die empfindlich auf eine laufende Sternentstehung reagiert. Durch den Vergleich der optischen und infraroten Helligkeit einzelner Clustergalaxien leiteten Astronomen photometrische Rotverschiebungen und Schätzungen der Sternmasse ab.
Ort im Universum
Konstellation
Zentaur
Entfernung von der Erde
8,5 Milliarden Lichtjahre
Lustige Fakten
- 1
RDCS 1252.9-2927 wurde erstmals vom Satelliten ROSAT als ausgedehnte Röntgenquelle entdeckt und seine extreme Entfernung wurde durch anschließende Spektroskopie bestätigt, was ihn zu einem der damals am weitesten entfernten röntgenselektierten Sternhaufen machte.
- 2
Viele Galaxien in diesem Haufen erscheinen rot und frei von jungen Sternen, was bedeutet, dass sie aufgehört haben, Sterne zu bilden, als das Universum erst etwa drei bis vier Milliarden Jahre alt war – eine erstaunlich frühe Epoche des Erlöschens.
- 3
Die Gesamtmasse des Clusters wird auf rund 200 Billionen Sonnenmassen geschätzt, vergleichbar mit nahegelegenen massiven Clustern wie Coma. Dennoch existierte er, als das Universum weniger als halb so alt war wie heute.
Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop



