
Über dieses Bild
Diese alternative Ansicht des prächtigen Sternhaufens Westerlund 2 enthüllt verschiedene Aspekte der spektakulären Struktur dieser kosmischen Kinderstube. Westerlund 2 beherbergt etwa 3.000 junge Sterne und liegt im Herzen des Gum 29-Nebels, einem riesigen Sternbrutplatz in 20.000 Lichtjahren Entfernung im südlichen Sternbild Carina. Die massereichen jungen Sterne des Sternhaufens – einige haben mehr als das 50-fache der Sonnenmasse – sprengen ihre Umgebung mit heftiger ultravioletter Strahlung und starken Sternwinden, die das Nebelgas in hoch aufragende Säulen und gezackte Grate formen. Diese Säulen, die an die berühmten „Säulen der Schöpfung“ im Adlernebel erinnern, sind dichte Finger aus Gas und Staub, die dem Ansturm der Sternstrahlung vorübergehend widerstanden haben und so Materialtaschen schützen, die möglicherweise noch neue Sterne bilden. Mit nur 2 Millionen Jahren ist Westerlund 2 ein kosmisches Kleinkind und bietet Astronomen einen Einblick in die gewalttätigen frühen Stadien der Sternhaufenentwicklung.
Wissenschaftliche Bedeutung
Diese ergänzende Beobachtung von Westerlund 2 betont die Wechselwirkung zwischen den massereichen Sternen des Sternhaufens und ihrer Geburtsumgebung. Die im Nebel sichtbaren dramatischen Säulen und Grate markieren die Grenze zwischen dem durch Sternstrahlung herausgearbeiteten ionisierten Gas und dem dichteren molekularen Material, das noch zerstört werden muss. Bei diesen Strukturen handelt es sich um Laboratorien zur Untersuchung der ausgelösten Sternentstehung – dem Prozess, bei dem die Kompression durch expandierende Ionisationsfronten oder Stoßwellen einen Gravitationskollaps im angrenzenden dichten Gas auslöst. Einige der Säulen in Westerlund 2 weisen Hinweise auf eingebettete junge Sternobjekte auf, was darauf hindeutet, dass der Sternhaufen möglicherweise noch aktiv wächst, selbst wenn die erste Generation massereicher Sterne beginnt, die Mutterwolke aufzulösen. Die extreme Jugend des Clusters und sein massiver Sterngehalt machen ihn zu einem wichtigen Analogon für das Verständnis der in Starburst-Galaxien beobachteten „Supersternhaufen“, von denen man annimmt, dass sie moderne Gegenstücke zu den Kugelsternhaufen sind, die sich im frühen Universum bildeten.
Beobachtungsdetails
Bei dieser Beobachtung wurde Hubbles Wide Field Camera 3 (WFC3) sowohl mit sichtbaren als auch mit Nahinfrarotfiltern genutzt und bot eine ergänzende Ansicht zu anderen Westerlund 2-Beobachtungen. Die Nahinfrarot-Bildgebung durchdrang den staubigen Nebel und enthüllte darin eingebettete Sternquellen, während Filter für sichtbares Licht die Emission ionisierten Gases einfingen und die scharfen Grenzen der erodierenden Säulen sichtbar machten. Durch die unterschiedliche Verarbeitung und Farbzuordnung der Multifilterdaten wurden im Vergleich zum Bild zum 25-jährigen Jubiläum unterschiedliche Strukturmerkmale hervorgehoben und die in den Rohbeobachtungen kodierten wissenschaftlichen Informationen hervorgehoben. Die kombinierten Daten ermöglichten Untersuchungen des Sterninhalts des Clusters, der Sternentstehungsgeschichte und der Wechselwirkung mit dem umgebenden interstellaren Medium.
Ort im Universum
Konstellation
Carina
Entfernung von der Erde
20.000 Lichtjahre
Lustige Fakten
- 1
Die massereichsten Sterne in Westerlund 2 sind so leuchtend, dass jeder von ihnen die Sonne um mehrere Millionen überstrahlt.
- 2
Westerlund 2 wurde 1961 vom schwedischen Astronomen Bengt Westerlund entdeckt, als er vom Mount Stromlo Observatory in Australien aus die südliche Milchstraße untersuchte.
- 3
Die Säulen und Grate im umgebenden Nebel werden schließlich vollständig erodiert, sodass der Sternhaufen der Galaxie ausgesetzt bleibt.
Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop



