
Über dieses Bild
Bei dieser losen Ansammlung von Sternen handelt es sich in Wirklichkeit um eine unregelmäßige Zwerggalaxie namens Holmberg IX, die als kleiner Begleiter die viel größere Spiralgalaxie M81 umkreist. Von den mehr als 20.000 Sternen, die in diesem Bild aufgelöst werden können, gelten nur etwa 10 Prozent als alte Sterne, was Holmberg IX zu einer der jüngsten bekannten Galaxien im lokalen Universum macht. Die überwältigende Dominanz junger blauer Sterne deutet darauf hin, dass sich diese Galaxie möglicherweise erst vor relativ kurzer Zeit – innerhalb der letzten 200 Millionen Jahre – gebildet hat – möglicherweise aus Gas- und Trümmerströmen, die von M81 und seinen Nachbarn während einer dreiseitigen Gravitationswechselwirkung mit den Galaxien M82 und NGC 3077 abgerissen wurden. Sollte dies bestätigt werden, wäre Holmberg IX eines der wenigen bekannten Beispiele einer Galaxie, die durch Gezeitenwechselwirkungen entstanden ist und sich im frühen Universum nicht unabhängig aus Urgas gebildet hat.
Wissenschaftliche Bedeutung
Holmberg IX ist ein Hauptkandidat für eine „Gezeiten-Zwerggalaxie“ – eine Galaxie, die nicht aus Urmaterial im frühen Universum entsteht, sondern aus Gas und Sternen, die während der Gravitationswechselwirkungen aus größeren Galaxien entfernt wurden. Die Existenz von Gezeiten-Zwerggalaxien hat tiefgreifende Auswirkungen auf unser Verständnis der Galaxienentstehung und der Dunklen Materie. Im Gegensatz zu normalen Zwerggalaxien, von denen erwartet wird, dass sie in Halos aus dunkler Materie eingebettet sind, entstehen Gezeitenzwerge aus Material, das bereits von ihrem ursprünglichen Halo aus dunkler Materie getrennt ist, und sollten daher wenig bis gar keine dunkle Materie enthalten. Die Überprüfung dieser Vorhersage durch dynamische Messungen des Masse-Licht-Verhältnisses von Holmberg IX ist ein aktives Forschungsgebiet. Die extrem junge Sternpopulation der Galaxie bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Anfangsbedingungen der Galaxienentstehung zu untersuchen – wie die ersten Phasen des Aufbaus einer Galaxie von Grund auf aussehen – ohne die Komplikationen alter Sternpopulationen, die ältere Galaxien dominieren. Die Lage von Holmberg IX innerhalb der M81-Gruppenwechselwirkung macht es auch zu einem wichtigen Beweisstück für die Rekonstruktion der Gravitationsdynamik einer der der Erde am nächsten gelegenen Galaxiengruppenwechselwirkungen.
Beobachtungsdetails
Dieses Bild wurde mit Hubbles Advanced Camera for Surveys (ACS) mit Breitbandfiltern für sichtbares und nahes Infrarot aufgenommen. Die Beobachtungen lösten mehr als 20.000 einzelne Sterne innerhalb von Holmberg IX auf und ermöglichten die Erstellung eines Farb-Helligkeits-Diagramms, das die Altersverteilung der Sternpopulation der Galaxie aufzeigt. Das Vorherrschen blauer Hauptreihensterne und blauer Überriesen bestätigte die extreme Jugend der Galaxie. Das weite Sichtfeld des ACS erfasste die Galaxie in ihrer Gesamtheit und umfasste gleichzeitig auch die Sterne der Milchstraße im Vordergrund, die anhand ihrer Farben und Helligkeiten sorgfältig von der Population von Holmberg IX unterschieden wurden. Ergänzende Radiobeobachtungen vom Very Large Array kartierten das neutrale Wasserstoffgas, aus dem Holmberg IX kondensiert zu sein scheint.
Ort im Universum
Konstellation
Ursa Major
Entfernung von der Erde
12 Millionen Lichtjahre
Lustige Fakten
- 1
Holmberg IX ist möglicherweise eine der jüngsten Galaxien im nahen Universum – ihre Sternpopulation lässt darauf schließen, dass sie sich erst vor etwa 200 Millionen Jahren gebildet hat, was sie im Vergleich zum Alter der Milchstraße von 13 Milliarden Jahren zu einem kosmischen Kleinkind macht.
- 2
Die Galaxie befindet sich in einer riesigen Wolke aus neutralem Wasserstoffgas, die während ihrer gravitativen Wechselwirkung aus M81 und M82 herausgezogen wurde, und Holmberg IX scheint aus diesen Gezeitentrümmern kondensiert zu haben, wie ein Regentropfen, der sich in einer Wolke bildet.
- 3
Mit weniger als 30 Millionen Sternen enthält Holmberg IX ungefähr so viele Sterne wie ein einzelner großer Kugelsternhaufen in der Milchstraße, erstreckt sich jedoch über ein viel größeres Raumvolumen und verleiht ihm das diffuse, unregelmäßige Aussehen einer Galaxie, die sich gerade zusammensetzt.
Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop



