
Über dieses Bild
AM 0500-620 enthält ein Galaxienpaar, das in einem Gravitationstanz verwickelt ist, wobei eine Spiralgalaxie fast von vorne zu sehen ist und teilweise von einer hellen Hintergrundgalaxie hinterleuchtet wird, die fast direkt dahinter positioniert ist. Diese zufällige kosmische Ausrichtung erzeugt einen natürlichen Silhouetteneffekt – die Staubspuren der Spiralgalaxie im Vordergrund, die normalerweise schwer zu erkennen wären, heben sich dramatisch vom Leuchten der Hintergrundgalaxie ab wie Tintenflecken auf einem Lampenschirm. Diese interagierenden Galaxien befinden sich 350 Millionen Lichtjahre entfernt im Sternbild Dorado, und ihre überlappende Konfiguration bietet Astronomen eine seltene Gelegenheit, die Verteilung und Eigenschaften des interstellaren Staubs in der Vordergrundgalaxie mit beispielloser Klarheit zu untersuchen. Solche überlappenden Galaxienpaare sind äußerst seltene Schätze, die die normale Herausforderung der Staubuntersuchung in einen Vorteil verwandeln, indem sie eine Galaxie als kosmisches Hintergrundlicht nutzen, um die verborgenen Merkmale der anderen zu beleuchten.
Wissenschaftliche Bedeutung
AM 0500-620 gehört zu einer ausgewählten Klasse überlappender Galaxienpaare, die die direktesten und eindeutigsten Messungen interstellarer Staubeigenschaften in externen Galaxien ermöglichen. Normalerweise ist die Messung der Staubmenge und -verteilung in einer Galaxie äußerst schwierig, da Staub sowohl Sternenlicht absorbiert als auch seine eigene Wärmestrahlung aussendet, wodurch Entartungen zwischen Staubmasse, Temperatur und Geometrie entstehen, die schwer zu entwirren sind. In überlappenden Paaren stellt die Hintergrundgalaxie eine sanfte, gut charakterisierte Hintergrundbeleuchtungsquelle dar, an der die Staubabsorption der Vordergrundgalaxie direkt gemessen werden kann, analog zum Halten eines Buntglasfensters an eine gleichmäßige Lichtquelle. Diese Technik hat gezeigt, dass sich Staub in Spiralgalaxien viel weiter vom Zentrum entfernt als bisher angenommen, wobei die nachweisbare Staubabsorption weit über die sichtbare Sternscheibe hinausreicht. Die detaillierten Staubkarten, die aus überlappenden Galaxienstudien erstellt wurden, haben die Schätzungen darüber, wie viel Sternenlicht in normalen Galaxien vom Staub absorbiert wird, deutlich revidiert – eine Korrektur, die sich direkt auf die Berechnungen der wahren Leuchtstärken, Sternentstehungsraten und Sternmassen der Galaxien auswirkt. Die Geometrie von AM 0500-620, bei der die Vordergrundspirale nahezu frontal zu sehen ist, liefert besonders saubere Messungen der radialen Staubverteilung über die Galaxienscheibe.
Beobachtungsdetails
Dieses Bild wurde mit Hubbles Wide Field and Planetary Camera 2 (WFPC2) in Breitbandfiltern für sichtbares Licht aufgenommen. Ziel der Beobachtungen war es, die Abschwächung des Lichts der Hintergrundgalaxie zu messen, wenn es durch verschiedene Regionen der Scheibe der Vordergrundspiralgalaxie wandert, und so eine zweidimensionale Karte der optischen Staubtiefe zu erstellen. Mehrere Filter bei unterschiedlichen Wellenlängen ermöglichten die Messung der Wellenlängenabhängigkeit der Staubabsorption (die Extinktionskurve), die Aufschluss über die Größenverteilung und Zusammensetzung der Staubkörner gibt. Die Winkelauflösung des WFPC2 reichte aus, um einzelne Staubspuren und den Arm-Interarm-Kontrast in der Vordergrundgalaxie aufzulösen, was einen detaillierten Vergleich zwischen der Staubverteilung und den Standorten der Sternentstehungsregionen in den Spiralarmen ermöglichte.
Ort im Universum
Konstellation
Dorado
Entfernung von der Erde
350 Millionen Lichtjahre
Lustige Fakten
- 1
Überlappende Galaxienpaare wie AM 0500-620 sind äußerst selten – nur wenige Dutzend sind bekannt –, da sie eine zufällige Ausrichtung erfordern, bei der zwei Galaxien in unterschiedlichen Entfernungen zufällig auf nahezu derselben Sichtlinie liegen, sodass eine die andere im Hintergrund beleuchtet.
- 2
Die bei diesem Galaxienpaar verwendete Silhouettentechnik kann die Staubeigenschaften weitaus genauer messen als herkömmliche Methoden, da die Hintergrundgalaxie eine bekannte, gleichmäßige Beleuchtung bietet, vor deren Hintergrund die Absorption des Vordergrundstaubs präzise quantifiziert werden kann.
- 3
AM 0500-620 ist im von Arp und Madore zusammengestellten Atlas of Peculiar Southern Galaxies katalogisiert, der ungewöhnliche Galaxienmorphologien dokumentiert, die hauptsächlich von der südlichen Hemisphäre aus sichtbar sind – eine Ergänzung zum bekannteren nördlichen Atlas von Halton Arp.
Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop



