Pferdekopfnebel (Dunkler Nebel), aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop für den November 7
November 7Dunkler NebelNebel

Pferdekopfnebel

Beobachtet im Jahr 2012

Über dieses Bild

Diese alternative Infrarotansicht des Pferdekopfnebels zeigt verschiedene Details dieser ikonischen kosmischen Skulptur, wie sie aus ihrer übergeordneten Molekülwolke im Sternbild Orion auftaucht. Das warme Leuchten des erhitzten Staubs umreißt das charakteristische Pferdeprofil, während dünne Filamente am oberen Rand des Nebels die Stelle markieren, an der die ultraviolette Strahlung eines nahegelegenen Sternquintetts die dichte Säule aktiv photoverdampft. In dieser Darstellung wird die innere Struktur des Pferdekopfes sichtbar – Regionen, die im sichtbaren Licht völlig undurchsichtig erscheinen, offenbaren sich als komplexe Netzwerke aus dichtem Gas und Staub mit unterschiedlichen Temperaturen und Dichten. Die charakteristische Form des Pferdekopfes resultiert aus seiner höheren Dichte im Vergleich zum umgebenden Material, wodurch er der Erosion länger widerstehen kann als der Nebel, der ihn einst umgab. Dieses kosmische Wahrzeichen hat vielleicht eine Million Jahre überdauert, wird aber irgendwann der unerbittlichen Strahlung erliegen, die es umgibt.

Wissenschaftliche Bedeutung

Diese ergänzende Ansicht des Pferdekopfnebels beleuchtet verschiedene Aspekte seiner Struktur und Entwicklung im Vergleich zu anderen Hubble-Beobachtungen. Der Pferdekopf ist in die viel größere Orion-B-Molekülwolke eingebettet, einen der der Erde am nächsten gelegenen riesigen Molekülwolkenkomplexe und einen aktiven Ort der laufenden Sternentstehung. Die scharfe Grenze zwischen dem Pferdekopf und der ionisierten Region links davon markiert eine Photodissoziationsfront – eine Übergangszone, in der molekulares Gas durch ultraviolette Strahlung in atomare Form umgewandelt wird. Untersuchungen dieser Grenzregion haben gezeigt, wie Strahlungsrückkopplungen von massereichen Sternen den physikalischen und chemischen Zustand von Sternentstehungswolken beeinflussen. Das Überleben des Pferdekopfes als kohärente Struktur, während das umgebende Material ionisiert wurde, zeigt die Rolle der Dichte beim Schutz molekularen Gases vor Sternrückkopplung. Infrarotbeobachtungen zeigen, dass sich in den dichtesten Regionen des Pferdekopfes eingebettete Protosterne bilden, was zeigt, dass die Sternentstehung auch dann weitergeht, wenn der Nebel von außen nach innen zerstört wird.

Beobachtungsdetails

Dieses Infrarotbild wurde mit dem Infrarotkanal Wide Field Camera 3 (WFC3) von Hubble aufgenommen. Bei den Beobachtungen wurden mehrere Nahinfrarotfilter eingesetzt, um unterschiedliche Tiefen in der Staubstruktur zu untersuchen und Temperaturschwankungen aufzudecken. Bei diesen Wellenlängen wird Staub viel weniger effizient gestreut und absorbiert als im sichtbaren Licht, was es Astronomen ermöglicht, in Regionen zu blicken, die optisch völlig verdeckt wären. Die Bildverarbeitung betont die thermische Emission warmer Staubkörner, die durch die eingebetteten Sternquellen und durch das äußere Strahlungsfeld erhitzt werden. Die ätherische Qualität des Bildes resultiert aus der Kombination von gestreutem Sternenlicht und thermischer Staubemission bei Wellenlängen im nahen Infrarot.

Ort im Universum

Konstellation

Orion

Entfernung von der Erde

1.500 Lichtjahre

Lustige Fakten

  • 1

    Der Pferdekopfnebel wurde erstmals 1888 von der Astronomin Williamina Fleming auf einer Fotoplatte am Harvard College Observatory aufgezeichnet.

  • 2

    Wenn man mit Lichtgeschwindigkeit reisen könnte, würde man 3,5 Jahre brauchen, um den Pferdekopf von seiner Basis bis zur Spitze seines „Kopfes“ zu durchqueren.

  • 3

    Das dichte Gas im Pferdekopf enthält die Rohstoffe für Dutzende zukünftiger Sterne, die meisten werden sich jedoch nie bilden, bevor der Nebel zerstört ist.

Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop