30 Doradus-Nebel (Emissionsnebel / Sternhaufen), aufgenommen vom Hubble-Weltraumteleskop für den April 22
April 22Emissionsnebel / SternhaufenNebel

30 Doradus-Nebel

Beobachtet im Jahr 2000

Über dieses Bild

Dieses Hubble-Bild zeigt den turbulenten inneren Kern des 30. Doradus-Nebels (Tarantula-Nebel) in der Großen Magellanschen Wolke, der sich um den außergewöhnlichen Sternhaufen R136 dreht. Dieser kompakte Sternhaufen, der links als leuchtende Sternansammlung sichtbar ist, ist eine der bemerkenswertesten Sternansammlungen, die jemals entdeckt wurden. R136 enthält Dutzende Sterne mit mehr als 50 Sonnenmassen, darunter mehrere, die zu den massereichsten und leuchtendsten Sternen im Universum zählen. Die intensive ultraviolette Strahlung und die Sternwinde dieser Sterntitanen haben riesige Hohlräume in das umgebende Gas gegraben und eine Landschaft aus hoch aufragenden Gassäulen, leuchtenden Graten und dunklen Staubkügelchen geschaffen. Das Aussehen des Nebels ändert sich je nach Wellenlänge dramatisch: Im sichtbaren Licht leuchtet der ionisierte Wasserstoff in einem charakteristischen rosaroten Licht, während im ultravioletten Licht die heißen, massereichen Sterne mit außergewöhnlicher Helligkeit leuchten.

Wissenschaftliche Bedeutung

R136 und die innere 30-Doradus-Region sind von größter Bedeutung für das Verständnis der Entstehung und Eigenschaften der massereichsten Sterne im Universum. Die aufgelöste Sternpopulation des Clusters hat eine direkte Messung der oberen Anfangsmassenfunktion ermöglicht und dabei Sterne deutlich über der zuvor angenommenen 150-Sonnenmassen-Grenze aufgedeckt. Diese Messungen haben grundlegende Auswirkungen auf das Verständnis der frühesten Generationen von Sternen im Universum, von denen angenommen wird, dass sie überwiegend sehr massereich waren. Der Einfluss des Sternhaufens auf seine Umgebung verdeutlicht das Konzept der Sternrückkopplung im großen Stil: Die kombinierte Strahlung und die Winde der massereichen Sterne von R136 haben eine Superblase aus heißem Gas geringer Dichte erzeugt, die von Hüllen aus komprimiertem, sternbildendem Material umgeben ist. Diese Rückkopplungsschleife – bei der massereiche Sterne gleichzeitig ihre Geburtswolke zerstören und an ihren Rändern die Bildung neuer Sterne auslösen – ist ein grundlegender Prozess, der die Entwicklung von Galaxien steuert.

Beobachtungsdetails

Dieses Bild wurde mit Hubbles Wide Field and Planetary Camera 2 (WFPC2) sowohl mit Breitband- als auch mit Schmalbandfiltern für sichtbares Licht aufgenommen. Die breitbandigen Beobachtungen lösten einzelne massereiche Sterne im dichten Kern von R136 auf, während schmalbandige Wasserstoff-Alpha- und Sauerstoff-Emissionslinienfilter die Struktur des ionisierten Gases kartierten. Die Winkelauflösung von Hubble war entscheidend für die Trennung der dicht gepackten Sterne in R136, die vom Boden aus zu einer einzigen Quelle verschmolzen zu sein scheinen. Mehrere Aufnahmen mit unterschiedlichen Integrationszeiten wurden kombiniert, um sowohl die leuchtenden Sternhaufen als auch die schwache Nebelemission ohne Sättigung einzufangen.

Ort im Universum

Konstellation

Dorado

Entfernung von der Erde

170.000 Lichtjahre

Lustige Fakten

  • 1

    R136 enthält den derzeit massereichsten Stern – R136a1, mit einer geschätzten Masse von mehr als dem 170-fachen der Masse unserer Sonne – so massiv, dass er theoretische Vorhersagen über die maximal mögliche Sternmasse in Frage stellt.

  • 2

    Wenn sich R136 im Zentrum des Orionnebels (ungefähr 1.300 Lichtjahre entfernt) befände, wären seine hellsten Sterne mit bloßem Auge sichtbar und würden nachts Schatten auf die Erde werfen.

  • 3

    In der 30-Doradus-Region entstehen Sterne mit einer so außergewöhnlichen Geschwindigkeit, dass sie als „Starburst“-Region gilt – sie produziert mehr Sterne pro Flächeneinheit als fast jede andere Region in der lokalen Gruppe der Galaxien.

Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop