
Über dieses Bild
Ein teilweise verdeckter, neugeborener Stern in der Nähe der Bildmitte schießt Zwillingsstrahlen aus überhitztem Gas in die umgebende Molekülwolke. Diese Überschallstrahlen, die sich mit Hunderten von Kilometern pro Sekunde fortbewegen, dringen in das umgebende Gas und den Staub ein und erzeugen die leuchtenden Schockfronten, die zusammen als Herbig-Haro 24 bezeichnet werden. Die Schocks komprimieren und erhitzen das Gas auf Temperaturen von mehreren Zehntausend Grad, wodurch es in charakteristischen Emissionslinien hell leuchtet. Diese dramatische Szene fängt eine kritische Phase der Sternentstehung ein, wenn junge Sterne überschüssigen Drehimpuls und überschüssige Energie durch starke bipolare Ausflüsse ausstoßen. Die Jets werden schließlich einen Hohlraum in der umgebenden Wolke freimachen, sodass der junge Stern ins Blickfeld treten kann.
Wissenschaftliche Bedeutung
Herbig-Haro 24 liefert entscheidende Einblicke in das Drehimpulsproblem der Sternentstehung. Wenn eine Gaswolke kollabiert und einen Stern bildet, würde die Erhaltung des Drehimpulses sie auf so hohe Geschwindigkeiten bringen, dass sie auseinanderfliegen würde – es sei denn, ein Mechanismus entfernt den Drehimpuls. Die in HH 24 beobachteten bipolaren Jets stellen einen der Hauptmechanismen für diese Drehimpulsentfernung dar und transportieren sowohl Masse als auch Rotationsenergie vom zentralen Protostern-Scheiben-System. Die Morphologie der Jets verrät die Geometrie der Akkretionsscheibe und die Magnetfeldkonfiguration in der Nähe des Sterns. Durch die Untersuchung mehrerer Herbig-Haro-Objekte wie HH 24 haben Astronomen ein umfassendes Bild davon erstellt, wie massearme Sterne wie unsere Sonne aus kollabierenden Wolkenkernen entstanden und über Hunderttausende von Jahren ihr Geburtsmaterial durch starke Ausflüsse abgestoßen haben.
Beobachtungsdetails
Hubble hat HH 24 mit der Wide Field Planetary Camera 2 (WFPC2) in Schmalbandfiltern abgebildet, die auf Wasserstoff-Alpha- und Schwefel-Emissionslinien abzielen. Diese Filter isolieren Licht aus geschocktem Gas und unterdrücken gleichzeitig die Kontinuumsemission von Sternen und Streulicht von Staub. Das resultierende Bild zeigt die detaillierte Struktur der Schockfronten, einschließlich Bugschocks, bei denen der Strahl auf Umgebungsmaterial trifft, und interne Arbeitsflächen, an denen schnelleres Strahlmaterial langsameres Auswurfmaterial überholt. Nahinfrarotbeobachtungen mit bodengestützten Teleskopen drangen in den Staub ein und enthüllten den eingebetteten Protostern und seine zirkumstellare Scheibe, die den Ausfluss antreibt. Die Eigenbewegung des Jets wurde über mehrere Jahre hinweg gemessen und bestätigte seine hohe Geschwindigkeit und den Standort seiner Quelle.
Ort im Universum
Konstellation
Orion
Entfernung von der Erde
1.350 Lichtjahre
Lustige Fakten
- 1
Die Zwillingsjets von HH 24 erstrecken sich über ein halbes Lichtjahr in jede Richtung, stammen jedoch von einem Protostern, der kleiner als unsere Sonne ist und hinter dichtem Staub verborgen ist.
- 2
Herbig-Haro-Objekte sind kosmisch kurzlebige Phänomene – die heute sichtbaren hellen Schocks werden innerhalb weniger tausend Jahre verblassen und sich auflösen.
- 3
Der zentrale Protostern ist so tief in Staub eingebettet, dass er bei optischen Wellenlängen unsichtbar ist und nur bei Infrarot- und Radiobeobachtungen nachweisbar ist, die das verdeckende Material durchdringen können.
Bildnachweis: NASA, ESA, Hubble-Weltraumteleskop



